Triathlon Jubiläum in Illingen, Saarland

"Soll ich oder soll ich nicht?" - diese Frage besch√§ftigte mich bis kurz vor dem Startschuss zum 20. Triathlon in Illingen am letzten Augustwochenende. Es war zwar nur eine Sprintdistanz, aber bei der treibt der ambitionierter Hobbyathlet seinen Puls ja √ľblicherweise doch einigerma√üen in die H√∂he. Und nachdem die leichte aber hartn√§ckige Erk√§ltung nicht wie erhofft rechtzeitig vor dem lange geplanten Triathlonevent ein Einsehen hatte und klein beigab, stand ich vor der Frage, ob ich ich meinem K√∂rper und vor allem dem Herzmuskel diese Belastung tats√§chlich zumuten sollte. Um es kurz zu machen: Mir fehlte die Kraft, mich in die Zuschauerrolle zu begeben und so siegte die Unvernunft und ich stieg um 9:15 zum Start in der 4. Startgruppe ins 25 Meter Becken.

Zu diesem Zeitpunkt war Uwe l√§ngst auf der Radstrecke. Er startete das Schwimmen in Startgruppe 2 von insgesamt 7. Die 300 Meter hatte er trotz kleinerer Scharm√ľtzel mit einem hinter ihm schwimmenden Athleten in sehr guten¬†6:34¬†abgespult. Ich profitierte w√§hrend der gesamten Strecke von den "guten F√ľ√üe" meines Vordermanns, der etwa mein Tempo schwamm, und konnte die 12 Bahnen mit samt der Strecke bis zur Matte vergleichsweise entspannt in 6:03 abspulen. Dirk Hoffmann, ein weiterer TGler, der auch regelm√§ssig an Jedermann-Wettbewerben teilnimmt, war in die 5. Startgruppe eingeteilt. Als erfahrener Rettungsschwimmer schwamm er wie immer Brust und ohne Schwimmbrille. Dabei stellte er mit einer Schwimmzeit von¬†6:45¬†so manchen kraulenden Mitstreiter in den Schatten.

Die Radstrecke war mit knapp 18 km kurz aber mit deutlich √ľber 300 H√∂henmetern knackig. Auf den 3 Radrunden ging es entweder hoch oder runter. F√ľr Uwe mit all seiner Erfahrung und guten Grundausdauer war das kein Problem und er absolvierte diesen Part in 40:22. Chapeau! Bei mir lief es mit 36:31 auch ganz ordentlich, auch wenn ich mental vielleicht etwas auf der Bremse stand, um meinen Kreislauf nicht √ľber Geb√ľhr zu belasten. Aber vermutlich ist das wieder mal eine meiner zahlreichen Ausreden, mit denen ich mir und der Welt erkl√§re, dass ich auch bei diesem Sprint deutlich an einem 30er Schnitt vorbeigeschrappt bin. Dirk, mit einem fremden Fahrrad und deutlichem Trainingsr√ľckstand w√§hrend der letzten Wochen, schaffte immerhin eine Radzeit von 46:56.

Die Laufstrecke bestand aus 4 Runden und sah mit 50 H√∂henmeterchen auf dem Papier eigentlich ganz easy aus. So richtig schnell war sie aber auch nicht, da das einzige Abw√§rtsst√ľck der Laufrunde zu steil war, um es richtig laufen zu lassen. Dirk kannte die Strecke ja aus den Vorjahren und kam - etwas hinter seinen Erwartungen - nach 35:30 ins Ziel. Ich selbst begann eher zur√ľckhaltend, wurde aber von Runde zu Runde mutiger und schneller. Ich konnte wie bereits auf der Radstrecke viele vor mir gestartete Athleten einsammeln und das motivierte nat√ľrlich. Nach 25:46 hatte ich die 5,2 km geschafft und mein Ziel, unter einem 5 Schnitt zu laufen, klar erreicht. (Ich muss also in diesem Fall keine meiner bew√§hrten Ausreden bem√ľhen) Uwe schaffte es in hervorragenden 31:32. In meiner ersten Laufrunde lief ich auf Uwe auf und hatte die Gelegenheit, eine Weile Uwes √§u√üerst runden Laufstil zu bewundern.

Den Sieg in der Altersklasse M70 mit einer Gesamtzeit von 1:23:08 hat er sich nicht zuletzt deswegen redlich verdient. Herzlichen Gl√ľckwunsch Uwe. Und mit meinen 1:11:20 hab ich es in meiner Alterklasse M55 sogar noch aufs Treppchen geschafft.

Vielleicht habe ich die "Soll ich oder soll ich nicht?"-Frage ja doch richtig f√ľr mich beantwortet. Jedenfalls huste ich nach dem Wettkampf weniger als vorher.

Matthias Keller