Mein längster Tag

 

Am 07.07.19 war es soweit, mein längster Tag sollte kommen. Im Jahr davor direkt ein Anmeldeticket für 2019 ergattert ging es am 04.07.19 los. Uwe kam mich abholen und wir fuhren gemeinsam nach Roth. Uwe als Supporter und pers. Betreuer (was Besseres konnte mir nicht passieren). Wir bezogen zunächst das Hotel und danach ab auf die Messe die Startunterlagen abholen. Hiernach besuchten wir noch die Erdinger-Urweisse Party, wo wir viele bekannte Gesichter antrafen.

     

Am Freitagmorgen ging es für mich erstmal in den Kanal zum Einschwimmen, der Kanal hatte hier noch eine Temperatur von 25 Grad, bei dieser Temperatur gibt es wohl ein Neo-Verbot am Sonntag. Doch dazu kam es dann nicht.

Am Samstag waren wir zunächst noch bei der Woman-Challenge in Roth und schauten dem 5KM Lauf unserer Frauen zu. Hiernach ging es dann zum Einchecken meines Fahrrads zum Kanal. Beim Einchecken hatte ich dann dieses Gefühl, Du musst doch schon bescheuert sein, so was zumachen, aber egal, jetzt ist es eh zu spät. Abends hatten wir noch eine kleine Pasta-Party im Hotel und ich wurde immer ruhiger und schon leicht nervös. Uwe und Heike standen mir bei und ich hörte immer wieder, Du schaffst das schon.

Sonntagmorgen, RACE-Day, Wecker für 04:30 Uhr gestellt, aber schon um 04:00 wach. Gefühl, mir ist totschlecht. Um kurz vor fünf zum Frühstück, wo ein gutgelaunter Uwe mich schon freudestrahlend empfing, heute ist dein längster Tag. Kurz was gefrühstückt, das ich überhaupt was runterbekommen habe, grenzte schon an ein Wunder. Ab aufs Zimmer fertig machen und ab zum Start. In der Wechselzone fing es leicht an zu regnen, na Klasse, braucht auch kein Mensch, dachte ich mir nur. Ab in den Neo, der Kanal hatte 24 Grad, somit war der Start der AK-Athleten mit Neo erlaubt. Um 07:55 wurde meine Startgruppe in den Kanal gelassen, 5Min Zeit zum Einschwimmen, da unsere Gruppe um 08:00 ins Rennen geschickt wurde. Hoffte das ich meine Schwimmzeit vom letzten Jahr vllt. etwas verbessere, die Messlatte lag also bei einer Zeit von 01:20:00. Pünktlich um 08:00 Uhr wurden wir ins Rennen geschickt. Am Anfang hielt ich mich beim Schwimmen zurück um nicht in die „Waschmaschine“ zu kommen, so nach 500m konnte ich mich etwas frei schwimmen, war aber immer noch von einzelnen Schwimmer umzingelt. Nach der erste Wende hatte sich das Feld verteilt und man konnte frei schwimmen. Noch einmal gewendet und dann schnell zum Schwimmausstieg. Nach 01:16:03 war mein Schwimmen beendet, Klasse 4 Min. verbessert, aber jetzt kommt das Neuland, 180 KM Fahrrad bin ich noch nie in einem Stück gefahren. Als ich nach dem Wechsel aufs Rad gestiegen bin, war es noch leicht am nieseln. Also blos nix dummes anstellen und mit Vollgas jeden Hügel runterrasen. Bei ca. 30 KM wurde ich von den führenden Herren Andi Dreitz und Andy Boecherer überholt. Kurz darauf das erste Highlight, der Kalvarienberg in Greding, der am Anfang ca. 500m bei 10% anstieg. So geflasht von den ganzen Zuschauern die einen da anfeuerten, habe ich gar nicht gemerkt wie schnell dieser Anstieg vorbei war. Dann lief es gemächlich weiter bergauf und ich kam dem nächsten Highlight, dem Solarer Berg immer näher. Kurz vor dem Solarer Berg noch den Kränzleinsberg hoch, da konnte man da schon erahnen was einen gleich erwartet. Nach einer kurzen Abfahrt ging es um eine Linkskurve direkt auf den Solarer Berg. In der Kurve sah ich auch Uwe und Heike die mich anfeuerten, dann ging es in den Solarer Berg. Was Du in diesem kurzen Stück erlebst kann man nicht in Worte fassen, Du fährst in eine Menschentraube, die automatisch Platz macht, bekommst den ein oder andern Klaps auf die Schulter und jeder feuert Dich an, als ob Du das Rennen anführst. Mein erster Gänsehautmoment in diesem Wettkampf. Dann ging es schon auf die zweite Runde. Für die ersten 90 KM benötige ich 03:03.00 womit ich sehr zufrieden war. Bis zum Kalvarienberg lief es dann normal weiter, aber schon beim zweiten Anstieg bemerkte ich diesen netten Gegenwind der immer stärker wurde. So war das Tempo der ersten Runde nicht zuhalten. Kurz vor der zweiten Wechselzone fingen meine Oberschenkel an zu krampfen, worauf ich das Tempo wieder verringerte. Das wird ein toller Marathon, waren hier schon meine Gedanken, (ich sollte recht behalten)

Nach 06:34:03 erreichte ich die zweite Wechselzone und war mit meiner Zeit sehr zufrieden. Jetzt nur noch den Marathon. Für diesen hatte ich jetzt 7 Stunden Zeit. Also dann mal los. Wollte langsam anlaufen, da sah ich schon Heike und Uwe als ich aus der Wechselzone kam, also kurz hin, beide gedrückt und das Rennen wieder aufgenommen. Merkte aber schnell, das wird nix heute, beide Oberschenkel gingen schnell zu, sodass ich ab KM 12 mehr am Gehen war als am Laufen. Bei KM 4 traf ich noch meinen Vereinskollegen Markus mit seiner Frau, der mich noch aufmunterte, das ich schon ein Stunde schneller wäre, als er im letzten Jahr.  Ich musste nur den Cut-OFF Punkte bei Kilometer 30 schaffen, damit sich mich nicht aus dem Rennen nehmen. Dieser lag bei 21:15 Uhr. Bei KM 23 lernte ich Steven kennen, Drill Sergeant der US-Army aus Los Angeles. Wir „marschierten“ dann gemeinsam bis KM 28 in einem 09:00 Schnitt. Hierbei verrechnete ich mich mit der Cut-OFF Zeit und lief dann, eher schlecht wie recht, die 2KM bis KM 30. Kurz vorher traf ich Uwe und Heike, die mich bis KM 30 begleiteten. Um 20:30 bin ich dann durch den Cut-OFF Punkt durch und wusste jetzt, dass Ich es schaffen werde. So jetzt einmal durch Roth und dann ich die Sandgasse, hier kam ich um die Ecke und wurde direkt begrüsst mit, Hier kommt unsere Rookie aus Trier, Wolfgang Lellinger auf seiner ersten Langdistanz, siehst Scheisse aus, aber bist noch gut dabei. Danke Frank Horras für die netten Worte. Immer schön wenn man seine Freunde und Bekannte auf der Strecke trifft, wobei der HotSpot in der Sandgasse ein ganz besonderer ist. Jetzt ab nach Büchenbach und einmal um den Weiher dann nur zurück durch Roth und ab ins Stadion. Bei Kilometer 41 wartete Uwe auf mich, er wollte mir bei meinem ersten Zieleinlauf beistehen. Also liefen wir gemeinsam Richtung Ziel, ja ich lief wieder, das Ziel kam ja näher. Uwe meinte nur nimm das Tempo raus, Du läufst einen 5er Schnitt. Dann kam er der legendäre rote Teppich. Sobald Du den ersten Fuss auf diesen aufsetzt, verspürt man keine Schmerzen mehr, zumindest war das so bei mir. Wir liefen also in Richtung Torbogen. Über diesem stand gross geschrieben, Congratulation, YOU DID IT, ja ich habe es geschafft. Hinter dem Tor brach die Hölle los, das Stadion brechend voll und jede und jeder der einlief wurde gefeiert als hätte er die Challenge gewonnen. Gänsehautmoment Nr. ich weiss nicht wie viel. Uwe und ich überschritten gemeinsam, nach 14:34:05 die Ziellinie und Andi Dreitz, der die Challenge Roth gewann, überreichte mir meine Medaille. Wir hatten noch einen kleinen Small-Talk dann ging es Richtung Verpflegung, aber nicht ohne vorher noch eine Laolo mit den Helfern zu machen, auch das ist hier schon Tradition. Im hinteren Bereich traf ich auch auf Heike und Monika. Heike strahlte mich an und sagte nur mein Ironman, Oh ja ich bin jetzt auch wie Uwe, Markus und Alex ein Eisenmann.

Stolz ging ich mit Uwe in den Verpflegungsbereich und wir setzen uns einfach hin und tranken ein Bier. Dieses Feierabendbier hatten wir uns verdient, Uwe für seinen tollen Support (die anderen waren leider nicht dabei, hätten es genauso verdient gehabt) und ich für meine erste Langdistanz. Um 01:00 waren wir im Hotel, er längste Tag war vorbei. Die Nacht war um 06:00 Uhr ja wieder vorbei, wir haben uns ja wieder angestellt für das Ticket für 2020.

Auf zu den nächsten Abenteuern, Challenge Roth 2020, ich bin dabei (da gibt es eine Zeit zu verbessern)

                                                                                                         

Wolfgang Lellinger